Samstag, 15. Mai 2010

Das mobile Unsoziale

Der Alltag hat einen fest im Griff. Die Internetlosigkeit zeigt einem die Grenzen der Mobilität sozialer Kontakte, und der Feierabend behindert Anstrengungen, die über einen Mausklick hinaus gehen. Das Soziale der Zukunft ist wohl etwas sehr Unsportliches!

Manche haben sich der 'Pflege' verschrieben: der eigene alltäglich Ausgleich, das körperlich-geistige Gleichgewicht als Lebenssinn. Auf Bürojob folgt privater Sport, auf harte körperliche Arbeit geistig-mediale Entspannung usw. Die Welt wird zur Natur mit Herausforderungen, die man bis ins hohe Alter überleben muss.

Auch sein Netzwerk muss man pflegen. Bildschrim-Empathie hat mich hierbei immer schon irritiert. Die Freude darüber, dass es entfernten Bekannten gut geht, fiel mir immer noch etwas schwerer als das Mitleid für schwierige Situationen der gleichen Pesonen. Letzteres impliziert immerhin noch, dass man gebraucht wird. Es ähnelt dann zumindest einer tatsächlichen Bedeutung des Zwischenmenschlichen.

Mal ehrlich: Welchen Aufwand würdest Du betreiben, um Menschen zu besuchen, deren Interesse über den Besuch nicht hinaus geht, für die Du nur ein soziales Auffangnetz bist, falls alle Stricke im alltäglichen Freundeskreis reißen? Nen Flug? 10 Minuten mit dem Fahrrad? 4 Stunden Autofahrt? Man sollte mal seine Kontakte an diesem Maßstab überprüfen...

Ob sich die Top-5-Kontakte dann auch als konstruktiv erweisen, ist fraglich. Wollen sie etwas mit Dir auf die Beine stellen oder pflegen sie letzlich nur ihren Ausgleich, um den Alltag zu bewältigen: wie langweilig! Was will man mit solchen Menschen? Sie kennen? Wahrscheinlich.

Man muss keinen Flug mehr bezahlen, um sich mit jemanden zu freuen... man hätte ihn in den meisten Fällen jedoch auch nie bezahlt. Auch wenn man hinjoggen könnte, wäre ein Besuch für die Meisten schon zu sportlich: "Komm Du doch vorbei!"

Welche Abstufungen gibt es also für den so großen Freundeskreis voller Alltagsmenschen? Das muss letztlich jeder für sich klären. Ob Entfernung, die man zurücklegen würde, Projektfähigkeit der Alltagsbegleiter, Herzlichkeit vs. Gleichgültigkeit, Kopfkünstler vs. Klischee-Erfüller, ob man nur Entertainer für Dauer-Päärchen und andere Unerreichbare/ Unproduktive ist, oder sich selber ein Paar Affen und Clowns für die eigene Freakshow hält, welche Zwischenmenschlichkeit man ernst nehmen kann: nordische Unverbindlichkeit, östlicher dörflicher Zusammenhalt, südliche Herablassungs-Experten oder westliche ordinäre Direktheit in all ihren Formen.

Für mich ist jeder Kontakt nur noch wie ein Urlaubsphoto: Ein Hinweis auf eine Begegnung, die man im Nachhinein überhöht, denn die Bedingung für die Bekanntschaft war der gleichzeitige Urlaub - nicht der gemeinsame Wunsch, etwas zu tun oder zu ändern in dieser Welt. Dazu kommt es schon bei den eigenen Freunden nicht: wieso dann ausgerechnet bei einem Facebook-Bildchen?


Zeit: morgens mit Papier statt Tastatur
Zustand: im eigenen Saft gegart.
Anlass: Entzugs-Erscheinungen (Internet)

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