Sonntag, 11. Juli 2010

Eine Ökonomie des Bekannten - Fake Flattr-Buttons, bitte!

 Was vielleicht den wenigsten bisher aufgefallen ist: 'Flattr' ist der neue 'Like'-Button. Ihr versteht nicht, was daran interresant ist? Ihr habt ja mich! Das Lesen muss sich ja lohnen..


Will gerade meinen geschwächten Zustand zwischen etwas Alkohol, der tosenden Hitze und 3 ClubMate-Schlücken zum Frühstück auf "drunken news" vergolden und sehe nur Nullen auf meinen Flattr-Buttons. Soweit ja zu erwarten. Inzwischen gefällt mir jedoch die Idee, Flattr-Nutzern ihr Herdendasein unter die Nase zu reiben. Die Individualität der Nutzer wieder zu einer messbaren Masse zu machen, ist ja letztlich das ökonomische Ziel des Web 2.0. Wer das nicht glaubt, sollte sich an seinen verwirrten Kopp fassen und ihn ein Paar mal heftig wach schütteln.

Dass es letzlich Ziffern und Zahlen in unseren produktiven Blog- oder Sonstwas-Alltag geschafft haben, zeigen Facebook 'Like'-Zahlen, Google und Google-Analytics und inzwischen auch einige Versionen des Flattr-Buttons. Das Problem versteht wieder keiner (ich kenne doch meine Pappenheimer), so dass ich hier kurz erklären muss, worum es geht.

Die 'Verdatung' unserer schönen menschlichen Welt ist natürlich die Basis für jedes wirtschaftliche Handeln. Wenn ich nicht weiß, wieviel Internet-Nahrung produziert wurde, wieviel Hungrige davon gegessen haben und in welchen Verhältnis die einzelnen Lichtungen im Internetwald abgegrast wurden, kann keine Ökonomie irgendetwas rechnen. Ist ja erstmal logisch.


Gerade dieses Verhältnis ist jedoch ein Aspekt, an dem sich jeder Kopf messen lassen muss. Letztlich sind nämlich alle Scoial-Networks darauf angelegt, uns in ein Verhältnis zu Dingen setzen. Dies ist zum Einen klar der profitable Aspekt des Datensammelns zum Anderen jedoch auch eine perfide Denkschule für alle Menschen die sich eigentlich für unabhängige Individuen halten. Noch nicht gerafft? Ist schwer zu verstehen: ich weiß!

Dass man zu vielen Dingen in seinem Leben ein Verhältnis aufbaut, ist zunächst mal völlig normal. Foucault würde dies sicherlich als diskursdurchwirktes räumliches Ordnen beschreiben. Um diese individuellen Anordnungen überhaubt ökonomisch nutzbar zu machen, müssen sie aber auf eine erkennare Fläche (Größe des Publikums) und noch viel wichtiger: in eine messbare Hierarchie gebracht werden.

Eingie Hierarchien bestehen natürlich schon in unserer sozialen Welt; sie ließen sich jedoch lange Zeit nicht messen. Google war dann die erste Maschine, die die soziale Welt irgendwie in Zahlen übersetzen konnte. Solange jedoch einzelne Menschen von sich aus nicht bereit waren, in einer Zahlenlogik zu denken, blieben die Messungen - wenn sie legal waren - abstrakt. Erst die Unterscheidung besser/schlechter, mag ich mehr/mag ich weniger ermöglichte das effektive Ranken von Kultur. Kurz: Man muss sich der Logik des Rankings unterwerfen, um für die Ökonomie im Netz sinnvoll zu sein.

In dieser Hinsicht ist es interessant, dass es inzwischen konkrete Zahlen sogar auf einzelne Blogbeiträge geschafft haben. Flattr ist ein weiterer kleiner Hinweis, dass wir bereit sind, uns messen zu lassen, und die Veröffentlichung des Flattr-Zählers dient in gewisser Weise nur dazu, dieses 'ich-lasse-mich-messen-und-werde-Teil-einer-Ökonomie'-Ding zu verbreiten und seine Freunde zur Nachahmung anzuhalten.

Sehr symphatisch ist natürlich - auch wenn das viele gerade kritisiert haben - dass man quasi seine abgeschlossene, eigene Ökonomie mit anderen Flattr-Nutzern aufmacht. In dieser Hinsicht bleibt es ein Sport, der Interessanteste in der eigenen Gemeinde zu sein. Die oben beschriebene "Denkwende" bleibt aber natürlich: ich und alles was ich tue ist eine Zahl; die im Verhältnis zu anderen Zahlen steht.

Ich schlage deshalb vor, diese Zahlen mit Fakes zu bekämpfen. Bastelt Euch Zähler mit den Zahlen Eurer Wahl - auch der schönen Flattr-Null: was ein Understatment! - und implementiert sie unter Euren Beiträgen, macht die Referenz der Zahlen für die Leser und Nutzer wertlos.

Ich will Fake-Flattr- und Faceook-Like-Buttons sehen!

Auch wenn Euer Leben schon zu ernst ist, um mit Kunst diese Welt zu verändern: einmal in Photoshop gebaut, wird es Euch nicht weh tun, das Ding unter ein Posting zu klatschen. Ein weiteres Problem der Social Networks und des sich messen lassen ist übrigens gerade die Nichtaktivierbarkeit für subversive Formen der Kunst: Groß veröffentlichte, populäre und angekündigte Aktionen sind eben nicht subversiv, sondern Publicity für das Unternehmen Eurer Wahl.


Zeit: jetzt ist die Sonne weg
Zustand: heute Geburtstag feiern? Lieber nicht.
Anlass: "Die Null muss stehen" als Flattr-Understatement entdeckt.

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Als Quelle ist immer "drunken news" zu nennen.

Glücklicherweise war das Weblog, das diesem Verfahren ausgesetzt war, bereits mit einer cc-Lizenz ausgestattet.

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