Donnerstag, 17. November 2011

Rotweinen

Lange nichts mehr geschrieben.. sollte man am Anfang niemals schreiben! Für viele Blogs ist es das Todesurteil, das ewig bleibende letzte Posting, das als armseliger Versuch, doch noch mal zurückzukommen, gleichzeitig Entschuldigungen beinhaltet, die einer jammernden Lebensgeschichte ähneln und trotz des Bekenntnisses zum Blog an sich, das Blog auf der Prioliste nach ganz ganz unten stellt (noch unter den Hund, das Meerschweinchen, den Goldfisch und tägliches Sackkratzen). Zum Glück bin ich jetzt schon mittendrin...

...und muss mich nicht mehr entschuldigen. Für.. egal. Ich Danke zumindest der kleinen, ausgewählten Elite, die sich hier versammelt hat, um abwechselnd Passagen meiner Postings vorzutragen und mit theatralischen Gesten, sangsingender Intonation und rhetorischen Pausen (hier z.B. das in Klammern nicht laut mitlesen!) den Sinn des Lebens in Luft und Zeit zu malen. Hier seid ihr richtig. Hier größt der Wahn den Leser noch selbst aus den Worten und erleichtert die Chuzpe eures alltäglichen Kleinenwahns. (Vorleserwechsel)

Das Thema dieses Beitrags ist - ihr ahnt es schon - Rotwein. Schlechter Rotwein. Mit langen Über-Leitungen zu leichteren Themen wie z.B. der Frage ob alkoholfreie Weine spätdekadente Römer verhindert hätten. Ich sage zu dieser bedeutenden Frage der Geschichte deutlich und entschieden: Nein. Wenn die Römerelite nicht alkoholisiert geprasst und gefeiert hätte, wäre die Binnennachfrage und der Luxusgüterhandel natürlich zunächst zusammengebrochen. Hätte aber schließlich den neudekadenten Plebs mit seinen Alkoholgelagen zu neuen korrupten Römern mit Hang für Mäusemilchbäder gemacht. Der Abstieg der alten Eliten wäre dann wiederum nicht ohne alkoholische Wein zu ertragen... Alkohol ist eine historische Konstante - ob man keusch leben konnte oder nicht. Drogenluxus ist Kern jeder konsumistischen Gesellschaft und der Erhalt eines Weltreichs hat also mit alkoholfreien Getränken und enthaltsamen Eliten zum Glück nichts zu tun, liebe Zuhörer. Trinkt!

Rotwein bestärkt gar in vielen Fällen den sehr sophistischen Ausgleich, die gelassene Neutralität am nächsten Morgen. Die Frage, ob Arbeit für fremde Chefs Sinn macht, ist eine Frage der Argumente, der Perspektive, die schlechter Rotwein immer wieder fördert und fordert. Da man sich in der internen Diskussion hinter verschlossenen Bettdekcen meist nicht festlegen kann oder will, gewinnt natürlich die Zeit. Bis es zu spät ist, den Rotwein für verpasste Termine verantwortlich zu machen und der vorabendlich Trinkende als aufgeklärter Staatsbürger selbst Verantwortung für sein Handeln übernimmt, übernehmen muss. Die weinende Wahrheitsspende, in vinum est veritas (oder so ähnlich: Ich kann kein Latein. das in den Klammern nicht laut vorlesen!)

Die Zeit ist natürlich kein Geschenk des Rotweinens: Sie ist unser spätrömischer Moment in hektischen Zeiten. Wenn ich jemanden prassend eine Zigarette rauchen sehe oder im Park auf einer Bank ruhen sehe, rufe ich immer öfter laut: "Du reicher Schnösel! Du verbrauchst unsere Zeit! Gib uns mal ein Paar Minuten ab!" Oder halt nen Schluck Rotwein, wenn der Zeitschnösel sich als Obdachloser entpuppen sollte.

Morgen, wenn ich vom Wecker aufwache, wird es keinen Rotwein oder gar Zeit geben, sondern halt nur Rotweinen. Dann braucht es einen Arzt, der Rotweinen nicht von Krankheit unterscheiden kann. Oder zumindest den vorabendlichen Rotwein in Form von Bettzeit verschreibt. In diesem Sinn: Wünscht mir Glück!

Zeit: ich kann bis 2 zählen.
Zustand: Puh, war das ein Kopfwein!
Anlass: Ich nehme mir die Zeit, weil ich es mir wert bin.

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