Sonntag, 29. August 2010

Innovationen begreifen

Ich glaube, dass viele Menschen bisher sehr wenig darüber nachgedacht haben, was Innovation ist. Sie nehmen das Wort eigentlich immer widerwillig in den Mund, wenn es gerade keine Hoffnung mehr gibt. Letztlich ist der Begriff, wenn er von Menschen oder Unternehmen gebraucht wird, ein Hilfeschrei aus der simplen Erkenntnis heraus, dass man gegen die Wand fahren wird, wenn sich nicht etwas ändert. Wie bei jeder Panik, wird die Reflektion zuerst geopfert.

Die definitorischen Bedeutungen der 'Innovation' variieren natürlich. Von radikal bis inkrementell, von organisationell bis Produktinovation, von technisch bis sozial, von additiv bis strukturell. Doch diese Liste, die ein Politologe oder gar Sozialwissenschaftler aus der Befürchtung heraus, etwas zu vergessen, durchdeklinieren würde: Sie ist empirisch und behandelt damit nicht die Zukunft.

Ich würde bezweifeln, dass man gerade im Bereich der Welt-Erneuerung, wirklich 'induktiv' arbeiten kann. Man erfährt vielleicht etwas über die Verästelungen von Branchen, Clustern und ihrer Adaption von Neuerungen, jedoch nicht über das mögliche Neue. Ein solches rückblickendes Verfahren bietet dem Handeln nach der Analyse nur die Form der 'Reaktion': wie enttäuschend! Wo wollt ihr alle hin mit Euren Ergebnissen zur Vergangenheit? Gab es dafür nicht immer schon das Historische Seminar an Eurer Uni? Können die das nicht viel besser? "Die Innovationen der Vergangenheit" bringen uns auf jeden Fall nicht weiter. Jede Darstellung von Veränderungen als logische Entwicklung sind so 80er Jahre, dass es weh tut.

Würde man sich mal kurz Gedanken darüber machen, was Innovation logisch bedeuten kann, an dem Begriff wirklich arbeiten, in die philosophischen Entwicklung innovativer Potenziale investieren, die Künstler nach ihrem Erfolg befragen, die Moral, das Politische für die Rhetorik wiederentdecken, um das Kommende gestalten zu können, Kulturmacher Problemlösung betreiben lassen, um Neues auch 'mit Sinn' zu begleiten, das Verhältnis des Menschen zu Innovationen mit Menschenkennern zu begreifen... man könnte Universen erschaffen! (werde hier nicht all mein Wissen um Innovationen Preis geben.. Geld ist teuer heutzutage.. da fällt das Schenken schwerer)

Leider bleibt die Innovation für viele Entscheider in dem aus Angebotsdenken erwachsenen Bereichen ein Moment der Überfroderung. Für sie ist die Innovation ein bandwaggon, der ätzende freejazzige Marschmusik spielt und dem man folgen sollte.

Doch der Glaube an eine stabile, kulturunabhängige Welt wird austerben. Ich korrigiere mich: Die Menschen, die an Systeme - die per se stabil konzipiert sind - glauben, werden austerben: Bye Bye!


Zeit: kurz bevor das Licht aus geht..
Zustand: Mit Wein allein.
Anlass: Keiner weiß, wohin die Reise geht..

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