Sonntag, 23. Oktober 2011

Gefährchen

Es schließt sich der Kreis. Ich höre eine ausführliche Reportage über Hunter S. Thompson, dessen Wirken immer ein Vorbild für dieses Blog war. Der Gonzo-Stil - voller Erlebnis, trunkend, daneben, unfair, ehrlich - wäre ohne den alten Meister des Risikos in repressiven amerikanischen Zeiten nicht denkbar. Ich bin der Überzeugung, dass wir ohne Gefahr niemals die Welt verstehen werden. Keine Lust ist ungefährlich. Ohne Lust braucht uns diese Welt nicht.

Seid ihr sicher, dass ihr die letzten Sätze schon verdaut habt und ihr schon weiterlesen wollt? Hand auf's Herz: Wann habt ihr das letzte Mal Gefahr erlebt? Wann habt ihr Euch wider besseren Wissens in eine Umgebung verfrachtet, die euch bedroht und in ihr hemmungslos die Freaks staunen gelehrt? Glaubt ihr wirklich, der letzte House-Club, in dem ihr von Spiegelselbstbewussten schmierig angeflirtet wurdet, kommt dem nahe? Glaubt ihr wirklich, der letzte Besuch im Dönerladen mit potenziellem Gammelfleisch sei Gefahr? Ist der eine Kaffee zu viel Risiko? Wer bedrohte das letzte Mal eurer Sein und wie habt ihr reagiert? In Watte gehüllte Plastikstäbchen bedrohen eure Trommelfelle...

Was für eine Lust ist der Luxus? Wer den Luxus nutzt, um sich zurückzuziehen, abzuschließen, in einem Gated Terrarium lebt, muss einen wirklich guten Sexualpartner haben, der jede Nacht die Nachbarschaft zusammenschreit. Unwahrscheinlich. Die andere Form des Luxus ist die Verschwendung. Das Feiern ist immer eine Gefahr, es ist ein Moment des Unkontrollierbaren, es ist die Organisation von Gefahr und die schönste Form des Luxus. Verschwendung ist wie ein Einsatz beim Glücksspiel, bei dem man immer verliert und nur das kurze Glück beim Spiel bleibt. Mir geht es nicht darum, dass man seine Existenz verliert, sein Leben riskiert, sondern um den Verlust einer Erfahrung in unseren Gesellschaften und der zwangsläufigen/ notwendigen Kompensation.

Es gibt sie noch, die Straße mit ihren Gefahren. Bereiche, in denen Momente der Schlagfertigkeit über Dein weiteres Leben entscheiden können. Tägliche Momente. Kampf. Ohne, dass man sich dieses frei ausgesucht hätte. Und doch mit Lust am Spiel. Dort, wo Hierarchie nie fix ist, sondern täglich kippen könnte. Diese Menschen werden immer über uns lachen, wir Stabilen mit komisch stolzem Status Quoten Hintergrund. Die Gefahr ist ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten. Die Kontrollphantasien sind auch tief in die Ideen von Beziehung eingezogen. Emanzipation allgemein bedeutet die Läuterung von Fremdbestimmung und damit auch die Eliminierung gefährlicher Lustszenarien. Die Bindung ist somit eines der letzten Risiken, das wir heutzutage eingehen. Lassen wir uns besser mal wieder gehen und das Reißen an uns zu und emanzipieren uns lieber von der Angst.

Zeit: Während des Thompsen-Specials. Freundin beleidigt im Bett.
Zustand: Puh.. Multitasking (Radio und Schreiben) mit Bier.
Anlass: zu ungefähr.

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Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen kritischen Leser in der Auseinandersetzung 'back to their own track' zu kommen. Man beachte hierbei, dass der Kontrollverlust Teil des hiesiegen Konzepts ist. Wir geben uns also zwangsläufig viel Mühe, Kommentare zu provozieren: so hat möglicherweise jeder was von den Drogen! Welcome!

Copyright

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Als Quelle ist immer "drunken news" zu nennen.

Glücklicherweise war das Weblog, das diesem Verfahren ausgesetzt war, bereits mit einer cc-Lizenz ausgestattet.

Das automatisierte Verfahren des oben genannten Anbieters funktioniert wie folgt: Er ruft aktuelle Sucheingaben bei Google ab (im Falle dieses Blogs z.B. "drunken news"), crawlt den Content des ersten Inhalts/Postings, veröffentlicht diesen auf seiner Seite in quasi-zitierter Form, behauptet, der Content wäre von dem jeweiligen Blogger (mit Namensnennung) auf seiner Seite geschrieben worden, verlinkt den Suchbegriff auf seiner Hauptseite mit dem geklauten Inhalt in seiner Seite. Da seine Seite SE-optimiert ist, werden besonders bei kleineren Blogs seine geklauten Inhalte höher gerankt und führen somit zu Fehlclicks auf die falsche Homepage.