Samstag, 8. Oktober 2011

Zu viele Aufnahmen und Aufnahmen

Wissen wir eigentlich zu viel? Keine Angst: ich bin kein Fan von Religion und einfachen Antworten. Aber lehrt uns das Leben vielleicht zu viele Lehren? Und können wir unseren Kopf, unser empfindsames Sein als Endpunkt, als Sackgasse für dieses Wissen ertragen? Weshalb versuchen wir denn, alle Infos, die wir bekommen, sofort in Medien zu gießen - sei dies Blog, Facebook oder Twitter. Ist das nicht alles Überforderungsselbsttherapie?

Natürlich schreibe ich hier in betrunkenem Zustand und komme leichter zu dieser These als ein nüchtern routinierter Mensch, der ich tagsüber bin. Haben unsere poteniellen Erfahrungswelten historisch zugenommen? Ist das Wissen gewachsen? Ich glaube, das Leben, das nicht über das menschliche und zwischenmenschliche Dasein hinausgehende Leben, ist immer noch dasselbe. Körperlich, biologisch, emotional. Was für Erfahrungen manifestieren sich also in den vielgestaltigen Medien durch unsere Hand? Sind die vielen neuen Medien nicht auch das Ergebnis eines größeren quantitativen Überschusses an Wissensformen, die wir irgendwie einordnen und in eine Form bringen müssen? Sind sie nicht oft ein vorläufiges Abspeichern, das die Verarbeitung quasi aufschiebt aber uns das Vertrauen einer Formung dieser Welt gibt? Wir kleinen Pseudogötter...

Wenn man sich mal das Verhältnis von Lesern und Schreibern anguckt - ich habe schon so oft darauf hingewiesen, dass diese Erkenntnis fast schon trivial für mich ist - so muss man doch einfach mal feststellen, dass es mehr Sender als Empfänger auf dieser Welt gibt. Es gibt mehr Output als wir jemals lesen können. Ich meine damit nicht Bücher (das sind ja schon eine Menge), sondern die Äußerungen aller Menschen überall. Wir produzieren mehr in Medien abgelagerte Erfahrungen als wir je konsumieren können. Es ist nicht das große Unbewusste der Menschheit: eine blöde Idee. Es ist etwas bewusstes, das über sexuelle Triebe hinaus geht. Es ist Spezialwissen, Weltwissen, Geformtes. Das Werk des Einzelnen wird hier so marginal, so wertlos. Was sind heutzutage noch Genies? Oder anders gefragt: wer hat noch Zeit, sie zu lesen?

Zeit: zu kurz für die neue Bibliothek der Welt
Zustand: die Welt ist mit dem über sich nachdenken für mich manchmal zu langsam
Anlass: Wir senden mehr als wir empfangen. Wie kann diese Rechnung aufgehen?

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Als Quelle ist immer "drunken news" zu nennen.

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