Samstag, 27. März 2010

Die Statistik sitzt es aus..

Mir wurde neulich mein AdSense-Konto gesperrt, da ich einmal eine eignene Anzeige angeklickt habe. Da es ja nie wirklich um Geld ging, geht es jetzt ums Prinzip; und damit um ein Experiment, dass eigentlich jeder Mensch, der glaubt, Entziehungskuren wären etwas für Schwächlinge oder Schwachsinnige, mal versuchen sollte: die Migration aus der Medienhöhle.

Die Geschichte meiner Nutzung des Google-Dienstes ist schnell erzählt: Mein Adventskalender-Blog hatte im Dezember 25 Euro eingespielt, die ich nie habe auszahlen lassen. Der Kalender war ein aufmerksamkeitsökonomisches Experiment, in dem ich meine 'spontane Reichweite' und das Lohnende eines zeitlich begrenzten Projekt-Blogs probieren wollte. Die Kuratur eines kleinen Geschenk-Museums zur Geschenke-Zeit und die Arbeit an intelligenten Paratexten hatte sich nicht gelohnt, da der Zeitaufwand und außerdem der Aufwand, das Ding in Draufklick-Köpfen zu bewerben, zu groß war.

Meine Kündigung seitens Google war nun ein komisches Nachspiel: ich nutze den Dienst gar nicht mehr und war auf dem alten Blog auf eine Anzeige gekommen. Da ich eingeloggt war, schrillte wohl irgendwo in Irland eine Alarmglocke und mir wurde neben der Sperrung ein Verweis auf eine wikiartige Hilfsseite präsentiert. Alles maschinell versteht sich. Das Einspruchsformular wurde ausführlich bearbeitet und abgeschickt... und nun wieder maschinell beantwortet.

Dieser Vorgang ist tatsächlich vertraglich geregelt: Google muss gar nichts erklären, Google ist zu keiner Auszahlung verpflichtet und natürlich hat niemand ein Recht auf Transparenz bei der Einnahmen-Berechnung. Die Teilnahme am Google-AdSense-Dienst ist somit die reinste Gnade von Seiten der irischen Internet-Großgrundbesitzer.

Dass mein anteiliger Werbegewinn bei AdSense mit zwei automatischen Vorgängen dem Google-Werbegewinn durch meine Dezember-Aktivitäten einfach hinzugefügt wird, gehört wohl zur Gutsherrenart: "Verpiss Dich Du Tagelöhner und komm nie wieder!" Spiele nun mit dem Gedanken, meine Migration aus den Google-Landen zu vollziehen. Vielleicht als Google-Blog, das den Ausstieg erklärt.

Nichts ist unerträglicher in unserer statistischen Welt als die Trägheit der Ertragenden.


Mal schauen, ob meine Ankündigung mein Delirium mit mir verlässt.. ;)



Zeit: scheiß Arbeitsrhythmus!
Zustand: übermüdet.
Anlass: 25 Euro sind weg.

Kommentare:

  1. "Trägheit der Ertragenden" ist schön. Aber auch der hiesige Salonlöwe ist aller Schimpftiraden zum Trotz noch den Beweis schuldig geblieben, der letzte verbliebene Aufrichtige zu sein...

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  2. Gesagt und getan. Ich bringe es auf den Weg! http://out-of-google.over-blog.de/

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Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen kritischen Leser in der Auseinandersetzung 'back to their own track' zu kommen. Man beachte hierbei, dass der Kontrollverlust Teil des hiesiegen Konzepts ist. Wir geben uns also zwangsläufig viel Mühe, Kommentare zu provozieren: so hat möglicherweise jeder was von den Drogen! Welcome!

Copyright

Auch wenn es mir widerstrebt, die Nutzung von Wortfolgen durch eine Lizenz zu beschränken, muss ich dies notgedrungen tun. Anlass hierfür ist der Contentklau eines kommerziellen Anbieters, der Ergebnisse des Googlebots als Postings auf seinem Blog ohne Rücksicht auf bestehende Lizenzen veröffentlicht und diese auch noch selber unter cc (by-nc-nd)-Lizenz stellt. Alle Text-Inhalte dieser Seite stehen somit ab sofort und rückwirkend unter creative commons (by-nc-sa).

Als Quelle ist immer "drunken news" zu nennen.

Glücklicherweise war das Weblog, das diesem Verfahren ausgesetzt war, bereits mit einer cc-Lizenz ausgestattet.

Das automatisierte Verfahren des oben genannten Anbieters funktioniert wie folgt: Er ruft aktuelle Sucheingaben bei Google ab (im Falle dieses Blogs z.B. "drunken news"), crawlt den Content des ersten Inhalts/Postings, veröffentlicht diesen auf seiner Seite in quasi-zitierter Form, behauptet, der Content wäre von dem jeweiligen Blogger (mit Namensnennung) auf seiner Seite geschrieben worden, verlinkt den Suchbegriff auf seiner Hauptseite mit dem geklauten Inhalt in seiner Seite. Da seine Seite SE-optimiert ist, werden besonders bei kleineren Blogs seine geklauten Inhalte höher gerankt und führen somit zu Fehlclicks auf die falsche Homepage.