Samstag, 6. März 2010

Die Zeiten, in denen man noch mit Geld bezahlen durfte.

 Meine Schwester hat mir neulich berichtet, ein Facebookspiel habe ihr gedroht, eines ihrer Streichelzoo-Tiere verhungern zu lassen, wenn sie nicht ihre Emailadresse preisgeben würde. Dieses Bild geht mir nicht aus dem Kopf, da es den Sachverhalt so schön auf den Punkt bringt. Eigentlich Sachverhalte (plural).

Zunächst die Idee, dass wir alle unsere einmal im Netz konstruierten Daten irgendwie wie putzige und naive Tierbabies behandeln sollen/sollten/müssen. Jedes Account ist wie ein junger Ziegenbock, der irgendwann ein Eigenleben entwickelt, wenn er glaubt, keiner sieht ihn, oder man nähme die Konsequenzen gleichgültig in Kauf. Jeder Kontakt ist wie ein Welpe, den man füttern muss, damit er überlebt. Jede Privatsphären-Einstellung ist wie ein Gewächshaus oder eine Brutmaschine, die über den erfolgreichen Anbau eines Feldes von Freunden und Bekannten entscheiden. Die meisten Browser-Games machen den Datensatz zum Pflegefall.

Dass man hier mit dem Scheitern des 'Kümmerns' spielt, zeigt, dass wir tatsächlich daran glauben, etwas wertvolles im Netz aufzubauen. Die Rankings und Ökonomien geben dem eigenen Datensatz einen Ort, eine Position: ich streichele gleich meinen Kader im Kicker-Tippspiel!

Viel interessanter finde ich es jedoch, dass die neue Währung in der oben beschriebenen Anekdote offen zu Tage tritt. Jemand drückt Dir die Pistole auf die Brust und sagt: gib mir Deine persönlichen Daten! Schön waren die Tage, als man noch mit abstraktem Geld bezahlen durfte..

Meine Schwester hat das Angebot natürlich abgelehnt..
Die Kondolenzliste für das arme Schwein, das sterben musste, befindet sich in den Kommentaren.


Zeit: 'morgens' für Spätaufsteher
Zustand: der Kaffee mach nicht klarer
Anlass: Streichele wieder mein Facebook-Account

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Als Quelle ist immer "drunken news" zu nennen.

Glücklicherweise war das Weblog, das diesem Verfahren ausgesetzt war, bereits mit einer cc-Lizenz ausgestattet.

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