Mittwoch, 25. Mai 2011

Anlässe für Individualität

So: es ist wieder soweit. Ladys and Gents: May the show begin! Heute sprechen wir in unserer Therapie-Sitzung über die Anlasslosigkeit Ihres Lebens. Ereignisdichte und Schlagzahl sind in diesem Blog ein alter Hut; dass es wohlmöglich keinen Anlass mehr gibt, auf den sie reagieren könnten: neu. Die hiesige trunkene Provokation ist natürlich eine Ausnahme... ;)

Das mit der Macht ist ja immer eine interessante Sache: Sie macht Euch zu Rechtfertigern Eurer Geschichte. Euer biographisches Selbst ist verwoben mit Zwängen und Gegebenheiten - über Schlüsselreiz-Dichte Eurer Körper bis zu anscheinend alternativloser Berufswahl und der Kompatibilitätspartnersuche. Euer Selbst kennt nur Logik, Kausalität und Konsequenz. Die rationalen Anlässe, überhaupt etwas zu tun, werden jedoch gleichzeitig für die Erlebnisgesellschaft inflationär aufgeblasen. Zum Einen müssen wir 'erleben' und suchen nach neuartigen Anlässen für unser Wachsen, Werden und Feiern, zum Anderen können wir durch die Flut an Gelegenheiten die Feste nicht mehr feiern wie sie fallen.

Die Anlässe sind meiner Meinung nach entwertet, und das, was uns vereint und mitreißt, sind nur noch Partys und Festivals (immerhin). Wir empfinden diese Situation oft als positiv: die Auswahl an Computerspielen, Schuhgeschäften, sozialen Kommunikationsplattformen, Cafés, Entertainment- und Nachrichtenkanälen, die großstädtisch Partyszene mit diversen Tanz-, Knutsch- und Fickangeboten und Wortspiele in der Timeline, auf die man reagieren könnte: sie alle lassen uns entscheiden. Sie alle helfen uns, unsere Geschichte zu schreiben. Merkt Ihr was? Hat jemand den Bogen in diesem Text mitbekommen? Ja: Wir basteln uns Selbst und dies ist ein Prinzip der Macht, der wir durch unsere Entscheidungsfreiheit zu entfliehen meinen.

Okay: Diese Erkenntnis ist sehr trivial und sehr alt, und es tut mir leid, sollte ich jemanden langweilen. In diesem Blog geht es jedoch nicht um Fatalismus und Ergebenheit - den zeitlosen Drang nach trunkener Meinungsäußerung mal ausgeschlossen. Wenn mal kein Fukushima als äußerer Anlass Pate steht, so wird der Anlass zu handeln etwas sehr einsames. Hier reicht es nicht mehr aus, seinen Affekten im Markt der Reize freien Lauf zu lassen. die Sprunghaftigkeit ist in dieser Umgebung nur scheinbar ein Training, um sich selbst zu finden und eine eigene Position zu entwickeln. Gleichzeitig ist aber die Geschichte, die man von sich schreibt, nicht mehr alternativlos und nicht mehr zwingend das Ergebnis von äußeren Entscheidungen, die wir "Anlässe" oder "Gelegenheiten" nennen. Gut so! Wenn jetzt noch der Wille dazu kommt, selber Anlass zu sein, kommt man vielleicht weiter...

Ereignisdichte und Schlagzahl machen uns im Idealfall zu besseren Menschen, da wir gezwungen werden, zu wählen (begreift man dies einfach mal als philosophische Übung). Oder aber wir bleiben passiv die Menschen, die glauben, Individualität habe etwas mit Penetration von außen durch die Geschichte zufälliger, entscheidender Anlässe zu tun: Das BigBrother/GermanysNextTopModel-Gott-Prinzip. Eine männliche Machtphantasie. "Liebes Model, so ist die Welt. Da muss man halt mal halbnackt mit einem notgeilen Gorilla schmusen. Und jetzt lächle und zieh das Höschen aus, und Du "wirst" ein Star.""Mama, diese Welt hat aus mir einen Star gemacht, und ich musste dafür nur dastehen und mich nach vorne beugen."

Vielleicht ist dies auch eine Frauenphantasie... Mist! und ich hatte so auf unsere Frauen gehofft! Ein Anlass mehr, über sich selbst nachzudenken. :)

Zeit: Urzeit
Zustand: bierunterlaufene Augen
Anlass: Das ist hier die Frage...

Kommentare:

  1. Ok, ich glaube, ich habe nicht allzu viel verstanden, dennoch amüsiert es mich immer wieder aufs neue, hier die biergeschwängerten, tiefsinnigen Texte zu lesen. Erinnert mich an meine Teenagerjahre, als wir stockbesoffen am Tisch zu sitzen pflegten, mit einem Glas gutem Scotch aus Vatters Keller in der Hand und dabei eifrig den Sinn des Lebens diskutierend ;-) Weiter so, es ist jedes Mal wie eine Zeitreise.

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  2. Gerne Gerne. Man sollte keine trunkene Polemik verschenken! Der nächste Tag und Rückblick auf das Geschriebene ist auch für mich immer wieder spannend.. :)

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Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen kritischen Leser in der Auseinandersetzung 'back to their own track' zu kommen. Man beachte hierbei, dass der Kontrollverlust Teil des hiesiegen Konzepts ist. Wir geben uns also zwangsläufig viel Mühe, Kommentare zu provozieren: so hat möglicherweise jeder was von den Drogen! Welcome!

Copyright

Auch wenn es mir widerstrebt, die Nutzung von Wortfolgen durch eine Lizenz zu beschränken, muss ich dies notgedrungen tun. Anlass hierfür ist der Contentklau eines kommerziellen Anbieters, der Ergebnisse des Googlebots als Postings auf seinem Blog ohne Rücksicht auf bestehende Lizenzen veröffentlicht und diese auch noch selber unter cc (by-nc-nd)-Lizenz stellt. Alle Text-Inhalte dieser Seite stehen somit ab sofort und rückwirkend unter creative commons (by-nc-sa).

Als Quelle ist immer "drunken news" zu nennen.

Glücklicherweise war das Weblog, das diesem Verfahren ausgesetzt war, bereits mit einer cc-Lizenz ausgestattet.

Das automatisierte Verfahren des oben genannten Anbieters funktioniert wie folgt: Er ruft aktuelle Sucheingaben bei Google ab (im Falle dieses Blogs z.B. "drunken news"), crawlt den Content des ersten Inhalts/Postings, veröffentlicht diesen auf seiner Seite in quasi-zitierter Form, behauptet, der Content wäre von dem jeweiligen Blogger (mit Namensnennung) auf seiner Seite geschrieben worden, verlinkt den Suchbegriff auf seiner Hauptseite mit dem geklauten Inhalt in seiner Seite. Da seine Seite SE-optimiert ist, werden besonders bei kleineren Blogs seine geklauten Inhalte höher gerankt und führen somit zu Fehlclicks auf die falsche Homepage.