Donnerstag, 11. August 2011

Privileg der Ge-lassenheit

War das ein scheiß Tag. Muss ja mal gesagt werden. Ich kann unausgeglichen nicht wirklich produktiv sein, denken, erschaffen. Diese Textsammlung ist die Ausnahme, der intellektuelle U-turn meiner hässlichen Innereien. Dies als Warnung.

Die Freundin hat ein mal mehr meinen Seelenfrieden in einem Häcksler dem Wutgott geopfert und einen ganzen Tag mit Selbstsucht verpestet: Verschwendung emotionaler Energie; fremder emotionaler Energie; meiner Energie; ohne gerechten Anlass. Ich hasse Ungerechtigkeit. Um hier mal von mir auf andere zu schließen: wer kann sich eigentlich unter sozialem Stress entwickeln?

Wenn man sich die Enge der Menschen in Armut in Deutschland vorstellt, all den Neid, die Konflikte, die dauernde Unausweichlichkeit dummer, überforderter Menschen in deiner Umgebung: Sie alle beobachten sich gegenseitig und lassen sich niemals in Ruhe, greifen mit ihren unausgeglichenen Händen immer nach schwachen Herzen, die sie triezen, quetschen, dominieren können. Wer kann sich hier entwickeln? Wer kann sich hier einem Leben in ewiger Soap entziehen? Ist dieser Stress nicht ein Instrument des Bürgertums, um unter all den Menschen, Unstabiles, scheinbar "Minderwertiges" zu schaffen, um die 'Hierarchie ihrer Gelassenheit' aufrecht zu erhalten? Die Legitimität ihres nationalen Steuermann-Selbstbildes, ihrer Monarchenmentalität was die Armen angeht, basiert auch darauf, nicht durch akute Zwänge traumatisiert zu sein. In England wurden einst Arme kastriert, damit sie sich nicht vermehren können. Wir schicken heute die Bedürftigen und ihre Kinder in HarzIV-Stress und Problem-Ghettos, um ihnen ihre kreativen Energien auszutreiben, sie von der Branche der Problemlösung in unserem Land qua Persönlichkeitsentwicklung fern zu halten.

Manchmal glaube ich, wir sollten RTL II und RTL als Dystopie doch ernst nehmen. Nicht, um daraus die Kenntnis zu gewinnen, dass es Menschen gibt, die dümmer oder genetisch fauler sind als wir, sondern als Hinweis, was aus Kindern wird, die aus der Unausgeglichenheit ihres Umfelds erwachsen müssen.

Es wird zumindest nichts helfen auf Menschen mit solchen Eltern draufzuschlagen: Es würde ihr Weltbild niemals ändern. Es hilft ebenfalls nichts, solche Eltern erwachsen zu nennen. Unsere Gesellschaft sieht jedoch so gerne, dass gebildete, ausgeglichene Menschen etwas besonderes oder gar Genies sind und nicht einfach nur der Phänotyp einer Persönlichkeitsentwicklung ohne Stress, den jedes Kind erreichen könnte. Sie brauchen diesen Diskurs für ihren Reichtum.

Um wieder zu mir zurückzukehren: Ich persönlich bin es manchmal leid, Sündenbock, Sandsack, Blitzableiter, Testobjekt für Auch-Du-bist-Unausgeglichen-Theorien, Lückenfüller für Egozentrik-Langeweile, Opfer von Nettigkeitsunglaube, Projektionsfläche für Minderwertigkeitskomplexe, Selbstbedienungsladen für Soulfoodzerstörbedarf, Tiraden-Transkribator, prophylaktische Beleidigungsmöglichkeit, Männlichkeitsschauspieler für alberne, bei mir unnötige Emanzipationstheater oder Fußabtreter für Eskalationsexperimente zu sein. Heute wurde ich nicht ge-lassen und ich spüre, welches Privileg die sonstige Ruhe meines Denkens ist. Sie ist inzwischen extrem dünnhäutig und fragil, wenn Dir tatsächlich nur ein hässlicher Moment alle Produktivität raubt. Wie ergeht es erst anderen, die täglich, und alle fünf Minuten solche hässlichen Momente und Spannungen um sich haben?

Zeit: verschenkt für fremde Wut
Zustand: irgendetwas ist kaputt gegangen: unkreativ.
Anlass: mir fällt nichts gutes mehr ein.

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