Montag, 29. August 2011

Unempathische Blicke

Ich glaube der schlimmste Moment im Leben ist der, in dem man keinen Ausdruck mehr für seinen Frust findet, seinen schlechten Momenten keine Form mehr außerhalb sich selbst geben kann, der Moment ohne Resonanz in der Außenwelt. Medien müssen uns immer wieder beweisen, dass wir "sozial" sind, dass die Welt keine autistische Phantasie ist. Sie sind der vernetzte Platzhalter, der das Scheitern familiärer Umfelder und Bekanntenkreise kompensieren muss. Gleichzeitig muss anscheinend jeder Klarname in dieser Welt sein Scheitern leugnen. Auch ich bin hier mit Pseudonym unterwegs und weiß um die Kräfte, die die Schwachen sichtbar machen wollen.

Das 'Scheitern' ist hier natürlich ein künstliches Konstrukt. Der 'Foucaultsche Diskurs' wird dieses auch ohne Akteure definieren: keine Angst. Sichtbarkeit ist Macht. Sichtbarmachung aber selten eine großangelegte Handlung. Genau deshalb freut man sich manchmal, dass dieser Prozess, wie z.B. im Falle Googleplus und der Klarnamenpflicht, einen konkreten Schuldigen hat. Es ändert jedoch nichts an der kleinen Praktik des Guckens, die wir alle vollziehen. Wie in "Privileg der Ge-lassenheit" bereits beschrieben, ist die Fähigkeit, Blicke auszuhalten, ein Moment bürgerlicher Distinktion zu problembelasteten Schichten. Medien sind hier nicht nur Beschäftigung und Babysitter der Nation, sondern auch eine immer stärkere werdende Institution des Vergleichs.

Wir vergleichen uns mit Blicken, die so hart sind, wie die Blicke, die Kleinkindern und Pubertierenden Traumata ins Hirn pflanzen. Vielleicht wurden wir selbst ein mal gedemüitigt und nutzen dann doch die gleiche Rationalität für Andere. Ein menschliches Versagen, weil wir vielleicht kein Medium für unseren Frust finden. Wirkliche Größe sieht anders aus, liebe bürgerliche Drohnen. Wie in diesem Beitrag auf wasmitdenken.de bereits angedeutet, brauchen wir eine Gehässigkeitsforschung, die diese verletzenden Blicke erforscht. Auf jeden Fall kotzen mich die Menschen an, die Darsteller dieses Blickes werden. Kritik sollte eigentlich nichts mit Vernichtung, sondern mit Perspektive zu tun haben. Empathie mit Blicken gibt es nicht. Sprecht wieder mit Menschen!

Zeit: voller (Augen-)Blicke
Zustand: Kopf zu mit White Russian
Anlass: Medien als Empathieersatz sind mit Klarnamen praktisch nicht denkbar.

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Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen kritischen Leser in der Auseinandersetzung 'back to their own track' zu kommen. Man beachte hierbei, dass der Kontrollverlust Teil des hiesiegen Konzepts ist. Wir geben uns also zwangsläufig viel Mühe, Kommentare zu provozieren: so hat möglicherweise jeder was von den Drogen! Welcome!

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Als Quelle ist immer "drunken news" zu nennen.

Glücklicherweise war das Weblog, das diesem Verfahren ausgesetzt war, bereits mit einer cc-Lizenz ausgestattet.

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