Donnerstag, 7. Juli 2011

Thinkstreet Credebility

Ein weiterer wacher Abend in der Stadt meiner Träume. Okay: es war kein Exzess. Aber aufschlussreich genug für einen Beitrag auf Drunken News. Besonders was das "drunken" angeht. Ich war immer schon in den verschiedensten Szenen unterwegs. Man könnte es als das Tanzen auf zu vielen Hochzeiten beschreiben. Und genau dies ist mein Thema. Gestern hat das erste Mal mein Kopf nicht mehr getanzt.

Welcher Phantasie hängt die Jugend unserer Zeit eigentlich nach? Meine Generation kennt den Glauben an die Zukunft - allein, weil die Gegenwart nur Perspektiven der Vergangenheit bereit hielt. Das Kind der 90er kennt nur das Gefühl der Jahrtausendwende und will die Erotik einer neuen Zeit, die mit ihm beginnt. Das Networken war hier immer ein Vertrauen, dass man nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein braucht, um Teil von etwas Großem zu sein. Dies betrifft Szenen, Musik, Hypes und das auf die Beine stellen an sich. Die Eltern meist als pauschale Förderer eines pauschalen Bildungsgedankens, der irgendwo hinführt: man weiß noch nicht wo hin... Doch die vielen Krisen wirtschaftlicher Natur haben gezeigt, dass es Ausdauer braucht, um das Wunschleben zu erreichen. Wer sind wir Träumer? Und könnnen wir überleben? Fraglich.

Wir bauen so extrem auf den kulturellen Coup, den wir landen können. Eines der vielen Projekte, die letztlich zünden. Das zufällige Internet hat uns alle zu Unternehmern der Populärkultur gemacht. Wir wollen alle irgendwo hin, wo nur wir als Ich noch Kult sind, wo wir - dem Normalo überlegen - einen Punkt des lässigen Absahnens erreichen. Wir pflegen jeden, wirklich jeden Kontakt und sei es nur als Facebook-Freund. Wir verwechseln Hobbys mit dem realen, endgültigen Ausstieg aus der Abhängigkeit des Arbeitslebens. Wir nennen dies Kreativwirtschaft. Doch diese Kultur des Fragilen fordert Zugang. Einen Zugang, für den Twitter nicht reicht.

Die Sprache wird immer wichtiger: Jeder Slang, jede Geste, jedes Representen wird wichtig für den Erfolg in einer Szene/ einem Publkum. Das klassische bürgerliche Sein, dass auf Kontinuität und Kanon-Bildung setzt, ist überfragt, sobald es um kulturelle Innovationen geht - so sehr dies auch gehegter Wunsch der Beobachter und Kunsthistoriker ist. Wir enthronen die Hochkultur jeden Tag.

Schauen wir uns die Aktiven an. Sie haben meist kein Business.Model. Sie wollen nicht recht haben. Sie leben auch meist nicht von ihrem Projekt. Es sind leider weiterhin die bereits Angestellten und Jobbesitzer, die in unserem Land ausdauernd Kunst promoten und machen, die durch ihren Partywillen den Markt der Konsumenten mit ihrem Geld existieren lassen. Die Kreativwirtschaft lebt nur von sich selbst, von den Kreativen, die sich in diesem Kreislauf scheinbar als Produzenten fühlen und doch selbst die Supporter-Szene erst ausmachen.

Auch ich war immer gefühlter Produzent - wenn auch mit ganz bewusstem Support-Bewusstsein. Auch ich habe nie einen Ort, eine Szene, ein Projekt besucht, ohne mich nicht als Mitwisser, Beobachter, Gönner zu fühlen und alle anderen als das Konsumenten-Publikum zu betrachten. Die Welt war immer kleiner als ich, da mir nie der Kopf ausging alles zu fassen, zu drehen, weiterzuspinnen, inspirieren zu können. Gestern bin ich das erste Mal nicht mehr wirklich mitgekommen, fehlten mir die Worte, der Drive. Alles sprühte nur so vor Ideen. Ein interessanter Moment, den ich sicher nicht für Demut nutzen werde... eine Erfahrung, die meinen Ehrgeiz wieder wachsen lässt, zu den Installateuren dieser Welt zu gehören. Ich wollte nie überforderter Zuhörer sein. Die Erkenntnis, dass ich an meiner Thinkstreet Credebility wieder arbeiten muss, ist natürlich bitter.


Zeit: heute ganz unkreativ: "vier"
Zustand: wie ist der eigentlich zustande gekommen?
Anlass: Die Boys from da hood waren schneller im Kopf.

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Als Quelle ist immer "drunken news" zu nennen.

Glücklicherweise war das Weblog, das diesem Verfahren ausgesetzt war, bereits mit einer cc-Lizenz ausgestattet.

Das automatisierte Verfahren des oben genannten Anbieters funktioniert wie folgt: Er ruft aktuelle Sucheingaben bei Google ab (im Falle dieses Blogs z.B. "drunken news"), crawlt den Content des ersten Inhalts/Postings, veröffentlicht diesen auf seiner Seite in quasi-zitierter Form, behauptet, der Content wäre von dem jeweiligen Blogger (mit Namensnennung) auf seiner Seite geschrieben worden, verlinkt den Suchbegriff auf seiner Hauptseite mit dem geklauten Inhalt in seiner Seite. Da seine Seite SE-optimiert ist, werden besonders bei kleineren Blogs seine geklauten Inhalte höher gerankt und führen somit zu Fehlclicks auf die falsche Homepage.