Dienstag, 16. November 2010

Feed me, Feed back, feed forth

Ich glaube, unsere Netzwerkgesellschaft hat ein Problem: Die lange Leitung. Habe mich ja schon ein Paar mal über das Verbreitungs-Prinzip geäußert und geärgert, dass besonders kluge Menschen nicht darauf kommen. Sie glauben sich immer noch als Endpunkt der Kommunikation. Sind nur noch Pöbel und Marketiere Avantgarde?

Konsum und Senden werden in der Netzwerkgesellschaft gleichwertig. Dies können viele noch nicht ganz fassen; aber die Tatsache, dass wir Menschen kein Kopfendbahnhof sondern ein Relais sein werden, das bei Nichtdurchleitung keine gesellschaftliche Bedeutung besitzt, passt dem Ernsten oder der Ernsten nicht. Auch ich habe tief in mir ein Widerstreben gegen den Hype und sehe die opportunistischen Menschen leibhaftig vor mir, die ihre Bedeutung nur durch diesen Hype generieren und nichts anderes kennen als durch Trendteilnahme gewonnenen Geschlechtsverleih.

Dieses Widerstehen hat natürlich mit Avantgarde leider nichts zu tun. Das Nutzen der neuen Medien durch unsere Eliten (Intelligenzia wäre übertrieben..) ist meistens von dem Versuch geprägt, sich selbst als Knoten als Beharrendes zu übertragen. Das Kritische hat durch seinen Ernst seine Beweglichkeit verloren und schafft eklige Un-Experimente von Menschen, die sich selbst als Teil einer bürgerlichen oder akademischen Öffentlichkeit sehen; auch die Marketeers (Man schaue sich nur die gefühlte Überzahl der beruflich motivierten Twitternutzer an) gehören irgendwie zu dieser ernsten Gruppe auch wenn sie nichts Kritisches außer Zahlen an sich haben.

Die Neugier am Senden, an Botschaft-/Werbungs-Verbreitungs-Kanälen dominiert das Denken und den Gebrauch der neuen sozialen Netzwerkmedien. Das Konsumieren und Aufnehmen, sich tatsächlich unprofessionell und privat inspirieren zu lassen, sich den Drogen der Netzwerke hinzugeben, ist Ausnahme; und wenn es doch so kommt, bleibt es privat, wird es gerade nicht weitergeleitet, ist der Elitar oder die Elitärin zu eitel, seine Un-fertig-keit, seine Inspiriernötigkeit einzugestehen - und leugnet damit das wesentliche Prinzip der Netzwerkgesellschaft: Durchlauf durch Individuen.

Da muss man sich nicht wundern, dass es in neuen Medien keine neue Hochkultur gibt: Es fördert niemand, es verbreitet niemand. Um es auf eine avantgardebetreffende These zu bringen: Das Experiment wird vor seiner Popularität bereits wie ein dreckiger, provozierender Trend behandelt und mistrauisch bis ablehnend beäugt. Doch diese Bremse, diese Nicht-Kommunikation kommt Bedeutungslosigkeit gleich.

Es erinnert mich irgendwie an kleine, der Kultur verpflichtete Kreise in mittleren Städten, die sich Theater mit Csfé zwar regelmäßig in ihrer Stadt wünschen, aber nur, um sie Nachbarn nicht weiterzuempfehlen, um die kritische Distanz zu wahren und sich zu produzieren. Der Avangardist würde sich wohl der Bühne bemächtigen, bis sie wieder etwas Wertvolles abwirft.

Also liebe Beiwohner des Experiments: Feed back, Feed forth oder macht es selber! Beschwert Euch nicht mehr über diese Welt oder ihr seid weiterhin das, was ihr gerne kritisiert: uninspirierte Prols mit Kanonbildung und ohne brauchbare Performanz. So, ask yourself: Have you changed the world today or did you at least help an inspiration to get spreaded and known?

Zeit: nach 12
Zustand: immer noch vom Freitag erschöpft.
Anlass: Verbreitung ist Scheren-Sache im Kopf.

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Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen kritischen Leser in der Auseinandersetzung 'back to their own track' zu kommen. Man beachte hierbei, dass der Kontrollverlust Teil des hiesiegen Konzepts ist. Wir geben uns also zwangsläufig viel Mühe, Kommentare zu provozieren: so hat möglicherweise jeder was von den Drogen! Welcome!

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