Mittwoch, 18. Januar 2012

Klischee-Arbeitsteilung

Es gibt mal wieder etwas Wein mit Nachdenklichkeit im Blog ihrer Wahl. Ich brauche nur noch einen Klischeeträger im Publikum, den ich ansprechen kann. Wer sich in ein zwei Sätze kleiden kann, trete bitte vor. Ahh, da haben wir auch schon jemanden. Wie ist Dein Name? Chantal-Jaqueline. Sehr schön... Aber Scherz beiseite: Die Welt mit ihren möchtegern-sozialen Hirnen kotzt mich an.

Wir tun über soziale Netzwerke so, als könnten wir mit jedem. Die ganze Welt ist ein Überfluss an tiefgründigen Menschen, deren Lebensgeschichte wir kennen, die einen besonderen Platz an unserem Hochzeitsfamilientisch sicher haben. Und dann stehen wir 10 Sekunden in einem Aufzug und kommen auf unsere Mitfahrer nicht klar, weil sie uns zu komplex sind. Würden sie wenigstens einem Klischee entsprechen, sagen, dass sie in Marketing, PR, Werbung, SEO oder IT arbeiten, den "Sowieso" kennen, gerne Motorad fahren, für den einen oder anderen Fußballverein leben, in irgendeiner Stadt geboren wurden, am Wochenende Schuhe schoppen waren, der Humorlose, der Pausenclown, der Schwule in der Firma sind etc.

Nein. Dort stehen 10 Sekunden lang Menschen, die einem nichts anbieten, diese Stereotypen vielleicht sogar brechen. Ich beobachte, wie sich immer mehr Menschen fast schon angewidert abwenden, wenn jemand über die Profil-Informationen eines gängigen sozialen Netzwerkes hinausgeht. Die Welt ist wie eine Kontaktsuche in einem Partnerportal geworden: Ein Formular, und der Rechner sucht nach Matches in den Standardkategorien. Wer ist sich dieses Verhaltens bewusst? Wer hat sich bereits selbst dort eingerichtet?

Letztlich ist diese Entwicklung logisch: Wir leben in einer extrem arbeitsteiligen Gesellschaft. Nicht jeder hat die Zeit sich mit dem Wissen aller anderen auseinanderzusetzen. Und wer seine Funktion in der Ideologie der Arbeit schnell beschreiben kann, hat offensichtlich seinen Platz in der Arbeitsgesellschaft gefunden. Wir sehen es quasi ebenfalls als Arbeitsteilung an, dass jeder sich selbst für Dumme zusammenfasst. Und dann gehen wir wieder in unsere Sozialen Netzwerke und fühlen uns so "Menschenkenner" und "sozial".

So wie es aussieht, ist das 'Bestehen auf die eigene Kompliziertheit', die Differenzierung des eigenen Weges, nicht der Pfad des geringsten Widerstandes, sondern eine Kunst. Es gibt außerdem viele, die nur deshalb keinem sichtbaren Klischee entsprechen, weil sie einfach still halten. Doch Emanzipation bedeutet harte Arbeit. Eine Arbeit, die in keinem arbeitsteiligen Prozess unserer heutigen Welt vorgesehen ist. Hierzu gehört die Arbeit der oberflächlichen Betrachter an sich selbst genauso, wie der Ich-Schablonenbastler für die Dummen. Arbeitet an euch und lasst komplexe Menschen und euch selbst in eurem Leben zu oder geht in die Plastikhölle, in die ihr gehört.

Zeit: fünf nach zwölf
Zustand: Wein aber Kopf ohne Teflon
Anlass: Trend Komplexitätsreduktion für andere

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